Ladeinfrastruktur und E-Fahrzeuge

Eine erfolgreiche Etablierung von Elektrofahrzeugen benötigt eine grundlegende Maßnahme: eine bedarfsgerechte Ladeinfrastruktur, die dem Kundeninteresse entspricht.

Gegenwärtig bieten alle deutschen Automobilhersteller batteriebetriebene Fahrzeuge an, die an über 2500 Ladestationen in Deutschland aufgeladen werden können. Ausschlaggebend für den Aufbau einer Ladeinfrastruktur ist die „Ladestrategie“ der jeweiligen Elektrofahrzeuge. Reine Batteriefahrzeuge können technisch über Wechselstrom (AC) nur geringe Ladeleistungen erreichen, für das schnelle Laden ist das Gleichstromladen (DC) vorgesehen. Plug-In Hybride laden hingegen primär über Wechselstrom (AC). Die Ladebedürfnisse der Kunden, die sich in den Projekten der „Modellregion“ herauskristallisiert haben, lassen sich grundsätzlich in drei Kategorien unterteilen:

  • Regelmäßiges Laden: Überwiegend werden Elektrofahrzeuge an Standorten geladen, an denen sie lange und regelmäßige Standzeiten haben. Davon betroffen sind Parkplätze am Wohnort oder beim Arbeitgeber. Hier wird überwiegend mit Wechselstrom (AC) geladen. Schwieriger stellt sich die Situation für sogenannte „Laternenparker“ da, die über keinen eigenen privaten Stellplatz verfügen und regelmäßig an öffentlichen Ladesäulen laden müssen.

  • Schnellladen: Für die Bewältigung von Distanzen jenseits der aktuellen Reichweite von Elektrofahrzeugen (150--200 km) braucht es eine schnelle Nachlademöglichkeit. Dieses Ladebedürfnis des Kunden wird über das schnelle Gleichstromladen (DC) abgedeckt. Aktuelle Generationen von Schnellladern erreichen 50 kW Ladeleistung, perspektivisch wird die Ladeleistung auf bis zu 150 kW steigen. Der Aufbau eines bundesweiten DC-Schnellladenetzes wird zukünftig das Rückgrat der Ladeinfrastruktur bilden. Zum einen dient Schnellladung als Grundnetz für alle Fahrten jenseits der täglichen Routinefahrten (Wohnort-Arbeit). Das Mobilitätsbedürfnis zeichnet sich neben den Alltagsfahrten vor allem durch den „optionalen Mobilitätsnutzen“ aus. Damit ist die Möglichkeit gemeint, z.B. am Wochenende spontan mit der Familie einen Ausflug zu machen. Zum anderen dient Schnellladung als Notfallnetz, falls unerwarteter Ladebedarf auftritt. Der Aspekt Notfallladenetz ist vor allem auch vor dem Hintergrund sinkender Reichweiten bei niedrigen Temperaturen von Bedeutung. Schnellladestandorte sollten an zentralen Standorten mit guter Erreichbarkeit und hoher Sichtbarkeit liegen.

  • Zwischendurchladen: In den Fahrprofilen der Nutzer gibt es verschiedene Stationen mit einer Verweildauer von 30-120 Minuten, z.B. beim Besuch eines Shopping Centers, kultureller Einrichtungen oder bei Freizeitaktivitäten. Die Zwischendurchladung ergänzt das flächendeckende Schnellladenetz und umfasst sowohl das Wechselstromladen (AC) als auch das Gleichstromladen (DC). Standorte können sowohl im öffentlichen als auch im privaten Raum liegen.

Erst im Zusammenspiel der drei Kategorien „Regelmäßiges Laden“, „Schnellladen“ und „Zwischendurchladen“ wird eine kundenfreundliche Ladeinfrastruktur erreicht. Für die Akzeptanz durch den Kunden ist aktuell der Aufbau einer deutschlandweiten Schnellladeinfrastruktur von Vorrang!